Grundsatzprogramm

Grundsatzprogramm der Juso Hochschulgruppe Köln

Präambel

Die Juso Hochschulgruppe ist eine sozialdemokratische Gruppe, die sich für eine gerechte soziale, solidarische Gesellschaft einsetzt. Als solche versteht sie sich als InteressensvertreterIn der Kölner Studierenden, die sich nah am gesellschaftlichen Sein der Studierenden orientiert. Hochschulbildung eröffnet Menschen vielfach individuelle Chancen und Möglichkeiten der Lebensgestaltung, sowie Kritikfähigkeit. Hochschulen sind jedoch ein Teil der gesamten Gesellschaft und dürfen daher, unserer Ansicht nach, kein soziales Biotop für selbsternannte Bildungseliten sein. Sie müssen daher offen für alle Menschen zugänglich werden.

1.Hochschule im Wandel

1.1. Hochschulfreiheitsgesetz

Das so genannte Hochschul“freiheits“gesetz (HFG NRW) bildet eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der Hochschullandschaft NRW: Mit diesem Gesetz wird die Demokratie innerhalb der akademischen Selbstverwaltung der Universitäten fast vollständig abgeschafft. Es setzt die verschiedenen Hochschulen in Konkurrenz zueinander. Diese Entwicklungen sind auf das Schärfste zu kritisieren und entsprechen nicht unseren Vorstellungen von Freiheit, Hochschulautonomie und Demokratie.

1.2. Bologna Prozess

Wir unterstützen den Bologna Prozess, da er für die Studierende europaweite Mobilität garantieren soll und eine erste Möglichkeit einer Veränderung des reformbedürftigen deutschen Hochschulwesens darstellt.
Allerdings ist der Bologna Prozess in Deutschland bislang mangelhaft umgesetzt und vor allem die soziale Perspektive wurde ignoriert. Wir kritisieren dies und setzen uns weiterhin für eine gute Umsetzung aller Dimensionen des Bologna Prozesses ein.

2. Studiengebühren

Die Juso Hochschulgruppe lehnt jede Form von Studiengebühren ab. Studiengebühren führen weder zu einer finanziellen Besserstellung der Hochschule, Forschung und Lehre, noch sind sie ein sinnvolles Steuerinstrument der Hochschulfinanzierung. Im Gegenteil, sie zeigen eine deutlich destruktive Wirkung und verstärken soziale Selektion und Ungerechtigkeit. Die finanzielle Belastung schreckt SchulabgängerInnen ab und führt zur Exklusion der geringer Qualifizierten vom Ausbildungsmarkt.
Aus diesen Gründen setzen wir uns gemeinsam mit BündnispartnerInnen wie den Gewerkschaften und dem Aktionsbündnis gegen Studiengebühren im Allgemeinen, besonders für die Abschaffung von Studiengebühren in NRW ein. Wir kritisieren die aktuelle Verwendung von Studiengebühren aufs Schärfste.

3. Soziale Lage der Studierenden

3.1. Studierende mit Kind

Im Vergleich zu Studierenden ohne Kind ist der Studienverlauf studierender Eltern von Unterbrechungen und Wechseln gekennzeichnet (viermal so viele StudienunterbrecherInnen wie unter den kinderlosen). Ebenfalls ist eine Studienphase im Ausland weit schwieriger umzusetzen als für Studierende, die kein Kind haben. Da nach vorliegenden Untersuchungen die finanzielle Situation von Studierenden mit Kind nicht signifikant abweichend ist von Studierenden ohne Kind, sind die Ursachen vor allem in der Betreuungssituation zu suchen. Studierende mit Kind leisten einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft und sollten während ihrer Studienzeit gefördert und nicht benachteiligt werden. Ziel der JUSO Hochschulgruppe ist es, auf diese Situation aufmerksam zu machen; die zuständigen Gremien müssen für diese Thema sensibilisiert und die vorhandenen Ressourcen optimiert werden.

3.2. Studierende mit Migrationshintergrund

Obwohl 20% der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist machen sie nur 8 % der Studierenden aus. Nach der sozialen Herkunft unterscheiden sich MigrantenInnen erheblich von der Gesamtheit der Studierenden, weil sie gesellschaftlich in fast allen Bereichen benachteiligt werden. Studierende mit Migrationshintergrund unterbrechen ihr Studium häufiger, deshalb sind wir der Meinung, dass das Informations- und Betreuungsangebot für Studierende mit Migrationshintergrund deutlich ausgebaut werden muss. Damit der Zugang zur Hochschule für alle sozialen Gruppen möglich ist, muss die JUSO-Hochschulgruppe auf diese Missstände aufmerksam machen, mögliche Ursachen suchen und Lösungsansätze anbieten. Aufgrund der Bildungshoheit des Landes NRW ist eine enge Zusammenarbeit mit dem JUSO Landesverband NRW und anderen BündnispartnerInnen nötig, um eine verstärkte schulische Förderung zu erreichen, die Bildungsunterschiede ausgleicht.

3.3 Studierende mit Handicap

Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert. Studierenden, die ein Handicap haben, werden an der Hochschule viele Barrieren in den Weg gelegt. Physische Barrieren sind beispielsweise Treppen, die mit einem Rollstuhl nicht passierbar sind oder fehlende Aufzüge. Informationelle Barrieren sind zum Beispiel Webseiten, die nicht von Blinden mit einer Braille Zeile gelesen werden können. Physische und informationelle Barrieren hindern Menschen an gesellschaftlicher Teilhabe, oft schränken sie sogar die Bewegungsfreiheit massiv ein. Dementsprechend setzen wir uns für eine barrierefreie Universität ein und für die Besserung der Verhälnisse für Studierende mit Handycap.

4. Öffentlichkeitsarbeit

Die Universität zu Köln ist mit knapp 42.000 StudentInnen eine der größten deutschen Hochschulen. Unser Ziel ist es die Interessen dieser Menschen zu vertreten. Zugleich wollen wir ein Angebot stellen, dass für einen Großteil dieser attraktiv und von allen wahrgenommen wird. Wir wollen an der gesamten Uni präsent sein und auf uns aufmerksam machen. Die Öffentlichkeitsarbeit der Hochschulgruppe Köln ist von großer politischer Bedeutung weit über Köln hinaus. Eine gute und wahrnehmbare Arbeit an der Uni Köln ist insbesondere Landes- und Bildungspolitisch von größter Wichtigkeit. In diesem Rahmen ist es unerlässlich, dass wir viele der potentiell aktiven StudentInnen an der Uni Köln für uns gewinnen und in unsere Arbeit einspannen. Gewährleisten wollen wir dies durch viele offene Diskussionen auf Stammtischen, sowie durch viele interessante thematische Veranstaltungen. Das Online-Angebot der HSG muss grundlegend erneuert werden. Weiterhin müssen wir durch Flyer und persönliche Gespräche eine breite Masse ansprechen und auf uns aufmerksam machen. Wir müssen uns dabei direkt an den Interessen und Bedürfnissen der StudentInnen orientieren und vor allem stets ein offenes Ohr für Anregungen haben.